Präventivmedizin: Was kann sie leisten? Und was nicht? Möglichkeiten und Grenzen

Von Dr.med. Michael Bardutzky

Während die klassische, kurative Medizin auf die Heilung einer Erkrankung zielt, intendiert die präventive Medizin deren Früherkennung und idealerweise deren Vorbeugung (lateinisch praevenire – zuvorkommen). Dabei geht es weniger um die Verlängerung der Lebenserwartung und schon gar nicht um die Verhinderung des Todes, wohl aber um eine Verbesserung der Lebensqualität bis zum Tod („Gesund alt werden“).

Präventivmedizin: Was kann sie leisten? Und was nicht? Möglichkeiten und Grenzen

Prävention moderner Zivilisationskrankheiten

Gleichwohl ist die Lebenserwartung in den letzten Jahrhunderten durch stetig verbesserte Hygiene und schulmedizinische Therapieverfahren kontinuierlich angestiegen – oft aber auch unter Inkaufnahme eines verlängerten Leidensweges. Während die Menschen früher häufig an Infektionskrankheiten, also schicksalhaft gestorben sind, führen heute die sogenannten „Zivilisationskrankheiten“, also Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen die Todesursachen-Statistiken an. Es liegt im Bestreben des Menschen solchen oft Lebensstil bedingten Erkrankungen vorzubeugen. Die gesetzlichen Krankenkassen stellen dem Hausarzt hierfür einen niedrigen, zweistelligen (!) Euro-Betrag pro Jahr für jeden Versicherten zur Verfügung.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Viel Potenzial für effektive Prävention

Mehr als ein Drittel aller Todesfälle in der Bundesrepublik Deutschland sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zurückzuführen. Dank moderner Notfallmedizin können solche Akuterkrankungen immer häufiger zunächst überlebt werden, oft aber zum Preis einer lebenslang eingeschränkten Lebensqualität.

Die allseits bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen sind typischerweise lebensstilbedingt und lassen sich sehr effektiv und ohne großen Aufwand vorbeugen. Allerdings bedarf es beständiger Aufklärung breiter Bevölkerungskreise und regelmäßiger Motivation für einen gesunden Lebensstil. Hier steckt ein erhebliches Potenzial der Präventivmedizin! Leider wird im medizinischen Alltag der zeitintensiven „sprechenden Medizin“ noch immer viel zu wenig Bedeutung beigemessen, weil die „Apparatemedizin“ sowohl finanziell als auch zeitökonomisch wesentlich lukrativer ist.

Krebserkrankungen: Früherkennung durch Screening?

Wesentlich weniger Menschen, nämlich ein knappes Viertel, sterben an Krebs. Die Häufigste Krebsart überhaupt ist Lungen- und Bronchialkrebs. Die meisten Betroffenen sind langjährige oder ehemalige Raucher; das präventive Potenzial erklärt sich von selbst. Derzeit laufen Studien, durch regelmäßige Computertomografien der Lunge zur Früherkennung beizutragen. Bislang hat ein solch aufwändiges Verfahren noch keinen Eingang in die klinische Routine gefunden. Beste Vorbeugung ist und bleibt daher Nichtrauchen! Dies gilt natürlich auch für zahlreiche andere Krebserkrankungen, die direkt mit dem Rauchen in Zusammenhang stehen (z. B. Kehlkopf etc.).

Die Häufigste Krebsart bei Frauen ist Brustkrebs. Das vor Jahren etablierte Mammografie-Screening wird kontrovers diskutiert, ebenso das PSA-Screening zur Früherkennung von Prostatakrebs bei Männern. Beide Früherkennungsmaßnahmen können zu unbeabsichtigten Überdiagnosen und damit verbundenen Übertherapien führen. Alle anderen sogenannten Tumormarker, die primär der Verlaufsbeurteilung von Krebs-erkrankungen dienen, haben in der Präventivmedizin keinen wissenschaftlich gesicherten Stellenwert. Auch für das regelmäßige Hautscreening zur Früherkennung von schwarzem Hautkrebs gibt es keine überzeugenden Daten zur Senkung der Sterblichkeit.

Darmspiegelung: lebenswichtige Vorsorge

Im Gegensatz zur Früherkennung von Krebs gelingt einzig beim Dickdarmkrebs eine effektive Vorsorge, die diesen Namen verdient. Immerhin werden bei jeder zehnten Vorsorge-Darmspiegelung sogenannte Dickdarmpolypen als potentielle Krebs-Vorstufe gefunden. Wenn die Untersuchung unauffällig ist, kann man andererseits davon ausgehen, innerhalb der nächsten 8-10 Jahre nicht an Dickdarmkrebs zu erkranken. Dies unterstreicht die hohe Wertigkeit einer Vorsorge-Darmspiegelung.

Alle übrigen Krebserkrankungen, wie beispielsweise Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Magenkrebs, lassen sich nicht „früh erkennen“ geschweige denn „vorsorgen“. In diesen Bereichen ist das Potenzial der Präventivmedizin sehr begrenzt. Man geht mittlerweile davon aus, dass rund zwei Drittel aller Krebserkrankungen durch zufällige Mutationen im Erbgut, also schicksalhaft entstehen und nur ein Drittel lebensstilbedingt auftreten.

Atmungssystem: Viel Luft für effektive präventive Maßnahmen

Erkrankungen des Atmungssystems machen als dritthäufigste Ursache etwa 7% aller Todesfälle aus. Dabei dominieren chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, die durch Rauchen und Umwelteinflüsse, wie beispielsweise Luftverschmutzung, hervor-gerufen werden. Das präventive Potenzial erklärt sich auch hier von selbst.

Psychische Erkrankungen: Prävention erfordert Enttabuisierung

Eine zahlenmäßig zwar geringe, jedoch besonders dramatische Todesursache sind Selbstmorde. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr etwa 9000 – also jeden Tag etwa 25 Menschen – durch Suizid und damit dreimal so viele wie durch Straßenverkehrsunfälle. Dabei nehmen sich dreimal mehr Männer als Frauen das Leben, sie sind durchschnittlich etwa 58 Jahre alt. Suizide geschehen praktisch nie aus einer momentanen Laune heraus, sondern werden von den Betroffenen oft lange geplant. Typischerweise fragen sich Angehörige und Hausärzte erst nach dem Freitod nach möglichen Vorboten, die hätten erkannt werden müssen.

Das größte Problem in der Vorbeugung ist die Tabuisierung psychischer Erkrankungen, insbesondere bei Männern. Depressionen lassen sich nicht „messen“ wie Fieber oder Blutdruck und gelten, anders als somatische Erkrankungen, als „unmännlich“. Gleichwohl lassen sich depressive Symptome eines Mitmenschen, wie grundlose Niedergeschlagenheit, soziale Isolation oder Schlafstörungen, im weiten Vorfeld beobachten. Dabei liegt es bei jedem Einzelnen im familiären, sozialen oder beruflichen Umfeld, solche Ver-änderungen wahrzunehmen, Betroffene konkret anzusprechen und Hilfe anzubieten.

Im Rahmen unserer Check-ups bietet unsere Stressanalyse eine sehr gute Möglichkeit, psychomentale Belastungen rechtzeitig zu erkennen.

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Anti-Aging-Maßnahmen: Vorbeugung, die keine ist

Von dubiosen, nicht-ärztlichen Anbietern und leider oft auch unseriösen Ärzten werden unzählige, sogenannte Anti-Aging-Maßnahmen angeboten. Diese reichen von zwar harm-, aber wirkungslosen Nahrungsergänzungsmitteln über fragwürdige Infusionstherapien bis hin zu potentiell schädlichen Hormontherapien. Die Hoffnung auf ein längeres, gesünderes Leben durch Einnahme künstlicher Vitamine, undefinierter Wässerchen oder Erzeugung unnatürlich hoher Hormonspiegel als Kompensation für einen ungesunden Lebensstil wird sich nach allen derzeit verfügbaren, wissenschaftlichen Erkenntnissen jedoch nicht erfüllen.

Body-Scans und Brain-Checks: Momentaufnahmen ohne vorbeugenden Effekt

Problematisch sind sogenannte „Ganzkörper-Scans“ oder „Brain-checks“ mittels Kernspintomografie zur Aufdeckung von Krebs- oder gar Demenz-Erkrankungen zu sehen. Solche (sehr teuren) Untersuchungen werden als harmlos, da ohne Röntgenstrahlung, beworben. Es sind jedoch immer nur Momentaufnahmen, die keine dauerhafte Risikostratifizierung zulassen und immer das Risiko undefinierbarer Zufallsbefunde bergen, die zu Verunsicherung oder gar überflüssiger Zusatzdiagnostik führen und in der evidenz-basierten Präventivmedizin daher nichts verloren haben.

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